Wie viele andere Gifte kann Schlangengift in geringer Dosierung für medizinische Zwecke eingesetzt werden. Neben der direkten Anwendung als Arzneimittel kann es der Suche nach neuen Medikamenten beitragen. So kann es helfen physiologische Vorgänge aufzuklären und besser zu verstehen und neue Wirkstoffe zu finden. So dienten Schlangengifte als Vorlage für einige blutdrucksenkende Arzneimittel aus der Gruppe der ACE-Hemmer. (Captopril(R), Enalapril(R)) In folgenden Bereichen der Therapie werden Schlangengifte verwendet:
* In der Schulmedizin bei Hypertonie (Bluthochdruck), erblich bedingten und erworbenen Störungen des Gerinnungssystems und zur Herstellung von Antidota (Gegengifte). * In der Homöopathie zur Behandlung von Schmerzzuständen. * Einige von Hämatologen angewendete Blutgerinnungstests basieren auf Schlangengiften.
Seine Gewinnung erfolgt in Schlangenfarmen durch "Melken" der Giftdrüsen. Dafür werden die Zähne durch eine Membran über einem Behälter gesteckt und die Giftdrüsen massiert. Das ablaufende Gift wird tiefgefroren, gefriergetrocknet und zu Granulat vermahlen.
Historisch gesehen waren Giftschlangen auch in Europa ein wichtiger Bestandteil der Medizin. So wurden verschiedene Zubereitungsformen aus oder mit Giftschlangen gegen allerlei Krankheiten und zum Erlangen zukünftiger Schönheit, Vitalität, Potenz und dergleichen eingesetzt. Neben dem Verzehr des Fleisches war das Trinken alkoholischer Schlangenextrakte und des Schlangenblutes verbreitet. Zum Schaden dieser Lebewesen haben einige dieser, aus moderner Sicht völlig unhaltbarer, Mythen überlebt. Vor allem in der traditionellen asiatischen Medizin werden solche, wissenschaftlich nicht belegbaren, Verfahren zum Schaden zahlreicher Arten bis heute praktiziert, auch wenn dies in den jeweiligen Ländern teilweise ungesetzlich ist. |